Kosten senken durch effizienteren Einsatz von Materialien


Das produzierende Gewerbe in Deutschland steht unter einem hohen Kostendruck, um dem internationalen Wettbewerb standhalten zu können. Dabei steht überraschender Weise der größte Kostenfaktor – die Materialkosten - nur selten im Blickpunkt, wenn es darum geht, Einsparpotentiale zu nutzen.

Bild Kostenverteilung verarbeitendes Gewerbe
Verteilung der Kosten im Verarbeitenden Gewerbe

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Stand 04.03.2010) beträgt der Anteil der Materialkosten beispielsweise im Maschinenbau 43,8 %. Für diese Branche liegen die Personalkosten bei 27,7 % und die Energiekosten bei 0,8 %. Es stellt sich also die Frage: Welche Möglichkeiten bestehen, die Materialkosten zu senken ohne die Produktqualität negativ zu beeinflussen? Die Antwort auf diese Frage findet man, wenn man das Verhältnis der Materialmenge in den erzeugten Produkten zu der für ihre Herstellung eingesetzten Materialmenge bewertet. Dieses Verhältnis wird als Materialeffizienz bezeichnet. Eine höhere Materialeffizienz kann durch eine Reduzierung des Materialeinsatzes erreicht werden, wie beispielsweise durch Verringerung des Ausschusses, durch Reduzierung von Verschnitt, durch verringerten Einsatz von Hilfsstoffen oder durch die Optimierung der Produktkonstruktion. Aber auch der Einsatz alternativer Werkstoffe, sowohl mit Blick auf die Produkte, wie auch auf deren Herstellung, kann zur Steigerung der Materialeffizienz beitragen. So werden häufig Werkstoffe aus einer gewissen Tradition heraus bei der Produktentwicklung berücksichtigt, ohne zu hinterfragen, ob die gleichen Eigenschaften nicht auch mit anderen, preisgünstigeren Werkstoffen erzielt werden können. Gleiches gilt für die bei der Fertigung eingesetzten Materialien, die in aller Regel einem Verschleiß unterliegen. Werden hier Maßnahmen ergriffen, die zu einer Standzeitverlängerung führen, wird auch dadurch die Materialeffizienz gesteigert.

Um die Materialeffizienz zu steigern, gibt es drei wesentliche Ansatzpunkte:

  • Werkstoffe, die im Produkt enthalten sind: Hier kann die Werkstoffauswahl überprüft werden, der Verschnitt kann reduziert werden, die im Produkt enthaltene Menge kann hinterfragt werden und vieles mehr.
  • Werkstoffe, die benötigt werden, um das Produkt herzustellen: Hierzu zählen alle Werkstoffe, die eingesetzt werden, um den Werkstoff in die gewünschte Form zu bringen. Als Beispiele seien hier Werkzeuge oder Formen genannt.
  • Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Verpackungsmaterial.

Mit der Senkung der Materialkosten geht fast immer auch eine Senkung weiterer Kosten einher, wie etwa Energie- und Entsorgungskosten. Die möglichen Einsparungen sind somit oft weitaus größer als zunächst angenommen. Vor dem Hintergrund langfristig steigender Rohstoffpreise und zunehmender Verknappung der Ressourcen erhält die Steigerung der Materialeffizienz eine weitere Bedeutung.

In Deutschland werden jährlich Materialien im Wert von 500 Mrd. € verarbeitet. Während die Arbeitsproduktivität seit 1960 um den Faktor 3,5 gesteigert werden konnte, blieb die Entwicklung der Materialproduktivität weit zurück (Faktor 2). Studien haben gezeigt, dass eine 20–30%ige Steigerung der Materialeffizienz bis zum Jahre 2016 realisierbar erscheint. Die Steigerung der Materialeffizienz um 20% hätte mit einem Einsparpotential von 100 Mrd. € jährlich eine enorme betriebs- und volkswirtschaftliche Relevanz. Aus diesem Grund fördert die Bundesregierung die Erhöhung der Materialeffizienz in Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Auf Initiative des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie entstand die Deutsche Materialeffizienzagentur (demea), die Unternehmen in zweierlei Hinsicht bei der Steigerung ihrer Materialeffizienz unterstützt:

Prof. Dr. Kollenberg ist autorisierter Berater der demea
Logo für autorisierte Berater der demea

Mit dem Programm VerMat wird die individuelle Beratung von Unternehmen zur Steigerung der Materialeffizienz gefördert, mit NeMat die Vernetzung von Unternehmen, die durch gemeinsame Aktivitäten ihre Materialeffizienz verbessern wollen. Unternehmen, die Maßnahmen zur Steigerung der Materialeffizienz bereits erfolgreich umgesetzt haben, können sich für den mit 10.000 Euro dotierten Materialeffizienzpreis bewerben. Das Impulsprogramm Materialeffizienz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie läuft bis zum 31.12.2013. Externe Berater aus dem Beraterpool der demea besitzen die erforderlichen Kompetenzen, um Einsparpotenziale beim Materialeinsatz erkennen, lokalisieren und bewerten zu können. Die Berater sind neutral, für die speziellen Arbeiten geschult und besitzen KMU-Erfahrung. Die Beratungskosten sind bis zu einer Höhe von 15.000 € mit 67 % förderfähig. Für darüber hinaus gehende Beratungskosten bis zu maximal 30.000 € wird ein Zuschuss von 50 % gewährt. Für den Zeitraum bis zum 31. Dezember 2010 hat das Bundesministerium das Förderprogramm VerMat über bestehende KMU-Definitionen hinaus für Unternehmen bis 1.000 Mitarbeiter geöffnet. Insgesamt haben sich bis heute rund 400 Unternehmen für eine Potenzialanalyse zur Materialeffizienz entschieden.

Das durchschnittlich ermittelte Einsparpotenzial liegt bei 220.000 € pro Unternehmen und Jahr. Das heißt, Unternehmen können Kosten in Höhe von durchschnittlich 2,5% ihres Umsatzes einsparen. Das klingt zunächst wenig, wenn man aber bedenkt, dass diese Einsparung sich unmittelbar auf den Gewinn auswirkt, erkennt man die Bedeutung: Über den Umsatz kann die gleiche Gewinnsteigerung nur über eine Verbesserung um 30% erzielt werden.


Prof. Dr. Wolfgang Kollenberg (akkreditierter Materialeffizientberater)